Kon-nitschiwa Freunde der aufgehenden Sonne,
nach einem deutsch-japanischem Frühstück, wo manche Erdbeermarmeladenbrötchen mit Reis und andere Rüherei mit gebratenen Nudeln aßen, ging es mit drei Bussen nach Kyoto.
Unsere Dolmetscherin erzählte uns auf der Fahrt viele sehr interessante und manche witzige Fakten über Japan. Zum Beispiel, warum man sich zur Begrüßung verbeugt. In Deutschland geben wir uns ja bekanntlich die Hand, was zeigen soll, dass wir unbewaffnet sind. Die Verbeugung zeigt hier, dass man dem anderen vertraut. Denn während man sich nach vorne beugt, könnte einem der Gegenüber mit seinem Schwert den Kopf abschlagen. Gut, heute wird das wahrscheinlich nicht mehr passieren, aber andererseits müssen wir zu Hause eigentlich auch nicht mehr beweisen, dass wir unbewaffnet sind.
Auch sehr interessant ist, wie Tokio Hauptstadt wurde. Und zwar ist die Hauptstadt immer die Stadt, in der der Kaiser wohnt. Kyoto bedeutet eigentlich Hauptstadt-Hauptstadt (Kyo=Hauptstadt und To=Hauptstadt), dort war bis 1868 auch der Kaiser. In Edo hingegen war der Shogun, das politische Oberhaupt des Staates. Der Kaiser hatte bis dahin keine politische Macht, er galt als Verbindung zwischen Himmel und Erde und konnte sich nicht mit so etwas unreinen wie Politik die Finger schmutzig machen. Edo entwickelte sich langsam zum kulturellen und politischen Zentrum des Landes und nachdem das Shogunat 1868 abgeschafft wurde und der Kaiser politisches Oberhaupt wurde, verlegte er seinen Sitz nach Edo. So wurde Edo in Tokio (To=Hauptsadt und Kio=östlich), also in östliche Hauptstadt umbenannt.
Früher, bevor der chinesische Einfluss mit dem Buddismus nach Japan kam, wurde sogar immer nach dem Tod des Kaisers eine neue Hauptstadt gebaut. Denn der Shintoismus (bis heute die größte Glaubensrichtung Japans) geht davon aus, dass der Tod unrein ist und deshalb konnte der neue Kaiser nicht dort bleiben, wo der alte gestorben war. Man nahm die Holzgebäude dabei allerdings mit und baute sie woanders einfach neu auf.

So fuhren wir mit interessanter Unterhaltung zu unserem ersten Tagesziel, dem goldenen Pavillon Kinkaku des Rokuon-ji Tempels. Der dreistöckige Pavillion (in Japan gibt es kein Erdgeschoss, das ist hier der erste Stock) weißt in jedem Stock einen anderen Baustiel auf. Die beiden obersten Stockwerke sind mit insgesammt 20 kg Blattgold vergoldet. Bei einem Rundgang durch den Garten, welcher das buddistische Nirvana darstellt, erfuhren wir an einem kleinen Wasserfall auch, dass Drachen laut der Mythologie Koikarpfen sind, die den gelben Fluss und die Wasserfälle zum Drachentor hinaufgeschwommen sind. Drachen bedeuten in Japan etwas gutes, weil man davon ausgeht, dass ein Drache mit den Wolken kommt und Wolken bringen Regen, welcher wiederum so wichtig für die Ernte ist.

Vom Golden Pavillon aus ging es mit dem Bus, auf dessen Klimaanlage sich wohl alle am meisten freuten, weiter zur Schloss Nijo-jo. In diesem prächtigen, von einem Wasseegraben umgebenen Schloss lebte der Shogun. Die Schiebetüren darin waren je nach Rang des in dem Raum empfangen Besuches wunderschön bemalt mit Tiermotiven wie Tigern und Leoparden. Interessant hierbei ist, dass es diese beiden Tiere in Japan nicht gibt und die Künstler damals davon ausgingen, dass Leoparden, weil sie kleiner als Tiger sind, die weiblichen Tiger sind. Also sind die beiden vielfach als Liebespaar abgebildet.

Als nächstes ging es von unseren 1000 Yen, die wir bekommen haben, Essen. Jeder durfte sich selbst aussuchen, was er haben wollte und wo er in dem großen Komplex Essen wollte. Für manche gab es traditionelles Ramen, ein Gericht, von dem unsere Dolmetscherin meinte, dass wir es in unseren Gastfamilien mindestens einmal gekocht bekommen werden. Ramen ist eine Art Gemüsesuppe mit Nudeln. Alle, die es von uns gegessen haben, waren begeistert, also das darf es gerne mehr als einmal geben.

Als letze Attraktion stand heute der Todai-Ji Tempel, das größte Holzgebäude der Welt auf dem Plan. Bevor man den Tempel betritt, wäscht man sich. Dazu ist vor dem Eingang ein Brunnen mit Kellen am Stiel. Mit der rechten Hand schöpft man Wasser mit der Kelle. Die Hälfte des Wassers gießt man über seine linke Hand und wäscht diese, dann wieder die Hälfte, um die rechte Hand zu waschen, wieder die Hälfte, um nochmal die linke Hand zu waschen, dann nochmal die Hälfte in die Rechte Hand gießen und damit den Mund ausspülen. Am Ende macht man mit dem restlichen Wasser den Stiel sauber.

Die Anlage war wirklich riesig und im Inneren hatten wir sogar das Glück, bei einer Zeremonie dabei sein zu dürfen, bei der wir die Mönche singen gehört haben. Es war so eine Art Sprechgesang, aber es klang sehr schön und wenn man in diesem riesigen Tempel vor der großen Buddhastatue kniete, vor einer mit Blattgold vergoldeten Wand mit faszinierend feinen Schnitzereinen, war das ganze schon sehr berührend.
Die Toiletten auf der Anlage waren genau das andere, von dem man uns im Vorfeld berichtet hatte. Entweder hat man hier High-Tech Toiletten oder eben eine Art Becken im Boden über das man sich drüber hockt. Jetzt haben wir also beide Arten kennengelernt, wie man in Japan sein Geschäft verricht.
Zurück im Hotel lernten wir unsere Gruppendolmetscherin Moka und unseren Regionalbetreuer Herrn Abe für das Regionalprogramm, das ab morgen startet, kennen. Beide sind sehr freundlich und wir glauben, dass wir eine tolle Zeit mit ihnen haben werden.

Am Abend haben wir bei dem Spiel Werwolf herausgefunden, dass Nadine anscheinend tatsächlich einer ist (wie kann man sonst 3 von 4 mal Werwolf sein?), dass dieses Spiel absolut nicht Daniels Steckenpferd ist, dass Chris als Erzähler total aufgeht und dass Till irgendwie immer als erstes raus muss. Mit viel Lachen ging auch dieser Tag für uns zu Ende. Wir gehen jetzt schlafen.
Sayonara
Caro, Vanessa, Nadine, Jannina, Daniel, Till, Chris, Robin, Richard, Christian, Ayk und Owen