Tag 7: Ein spontanes Privatkonzert

Kon-nitschiwa Freunde der aufgehenden Sonne,

Heute war es endlich soweit, dass wir zum ersten Mal mit japanischen Schülern der Kuki Junior High School über unser Jahresthema des diesjährigen Austausches, Inklusion diskutieren durften. Dabei stellten wir schnell fest, dass das ganze mehr ein Austausch als eine Diskussion war. In Japan ist es nicht sehr verbreitet, offen seine Meinung zu sagen. Hier herrscht zwar auch Meinungsfreiheit, aber es gäbe für einen Japaner kaum etwas schlimmeres, als seine Meinung zu sagen und dann kommt jemand anderes und sagt, diese Meinung ist falsch, deshalb sagt man lieber nichts. Was wir feststellen konnten, ist dass es für Menschen mit Behinderung, die Sport machen, wollen keine staatliche Förderung hier gibt und dass die Jugendlichen bisher so gut wie gar keine Berührungspunkte mit behinderten Menschen hatten, schon gar nicht im Sport. Also ließen wir das Thema nach ca. einer Stunde zähem Gespräch fallen und unterhielten uns einfach so über unsere Kulturen und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Länder. Dabei tauten die Schüler langsam auf und es kam ein Gespräch zustande.
Danach wurden wir noch durch die Schule geführt, wobei wir vor einer Tür stehen blieben, in der eine Klasse scheinbar gerade Musikunterricht hatte. Als sie uns bemerkten, baten sie uns rein und spielten extra für uns ein kleines Konzert. Die Musik die sie spielten war so schön, dass wir fast alle Gänsehaut bekamen und manche von uns hatten Tränen in den Augen, so berührend waren die Töne. Wir haben dann kurzerhand noch extra Gastgeschenke geholt, um uns für das tolle Konzert zu bedanken. 

Zum Mittag gab es für uns alle jeweils eine große Lunchbox mit allem Möglichen drin: Reis, Fisch, Schrimps, Fleisch, verschiedenes japanische Gemüse und Grapefruit. Fast alle haben ihr Grapefruitstückchen gegessen, da haut Chris ganz trocken den Satz des Tages raus: „Ernsthaft, habt ihr alle eure Grapefruit gegessen? Wisst ihr eigentlich, was das ist?“ Und Owen antwortet: “ Ja, außer du wissen das alle.“ Wir lagen vor lachen fast unter dem Tisch. 

Nach dem Essen durften wir an der Kuki Hokuyo High School Kyudo, traditionelles Bogenschießen machen. Nachdem wir in die passenden Sachen eingepackt worden waren, ging es raus in die Hitze zum Schießen. Wichtig hierbei sind vor allem die Schrittfolge und wir man schießt. Leider hatte jeder von uns nur einen einzigen Schuss, was wir alle sehr traurig fanden, aber trotzdem war es schön, so was mal erleben zu dürfen.

Danach ging es nahtlos weiter mit einer traditionellen japanische Teezeremonie. Das ganze ist gar nicht so leicht, wie es sich jetzt vielleicht anhören mag. Kurze Zusammenfassung: man verbeugt sich viel, man hällt seine Tasse mit der rechten Hand von der Seite und der linken von unten fest, dann dreht man die Tasse im Uhrzeigersinn erst so, dass das für einen selbst schönste Motiv zu einem zeigt, um dann die Tasse noch zweimal im Uhrzeigersinn zu drehen, den Tee trinkt mn mit genau drei Schlucken aus. Dann gab es eine Art Kuchen dazu. Der sah zwar sehr schön aus, aber so richtig schmecken wollte er keinem. Bei Ayk war es leider sogar so schlimm, dass er würgen musste und ihm die Tränen kamen. Unsere, und zum Glück auch seine, erste Reaktion war es, zu lachen. Ayk hat dann noch mit vollem Mund und kaum atmend das Gruppenfoto überstanden, bevor er das Stück auf Toilette los werden durfte. Es tat uns im Nachhinein sehr leid, dass wir so lachen mussten und damit die Japaner wohl sehr verunsichert haben, aber es sah einfach zu lustig aus. 

Auf dem Rückweg kaufte uns unser japanisches Leistungsteam noch allen ein Eis, was bei der Hitze echt gut tat. 
Wieder im Bildungsausschuss von Kuki sangen wir nachträglich noch mit den Japanern zusammen „Happy Birthday“ für Owen, der gestern 17 geworden ist. Wir hatten ihm zwar gestern schon via WhatsApp alle gratuliert, indem wir von jeden aus der Gruppe ein Foto mit je einem Buchstaben von HAPPY BIRTHDAY in der richtigen Reihenfolge in unsere Gruppe geschickt haben, aber persönlich kamen wir durch den gestrigen Familientag noch nicht dazu. Ein kleines Geschenk durfte natürlich auch nicht fehlen und so bekam er von Daniel und seiner Gastmutti Sany ein Maskottchen der Urawa Reds und die japanische Fußballzeitschrift „El Golazo“, die sie extra besorgt hatten.

Den restlichen Tag verbrachte wieder jeder mit seiner Gastfamilie. Jetzt ab ins Bett und Kraft für morgen sammeln.

Sayonara 
Caro, Vanessa, Nadine, Janina, Daniel, Till, Chris, Robin, Richard, Christian, Ayk und Owen

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